Die Alternativen zum gegenwärtigen System wollen wir nicht
für die Menschen, sondern mit ihnen entwickeln. Das
heißt für uns auch, dass in der neuen Partei eine
Pluralität der Meinungen und Positionen verankert werden muss,
weil wir der Ansicht sind, dass nur das breite Bündnis von
bürgerlichen Humanistinnen und Humanisten über soziale
Demokratinnen und Demokraten bis hin zu Sozialistinnen und
Sozialisten und Kommunistinnen und Kommunisten in der
gegenwärtigen Situation in der Lage ist, wirksame Gegenmacht
gegen den neoliberalen Kapitalismus zu entfalten. Das muss auch
für die Beteiligungsmöglichkeiten innerhalb der Partei
gelten:
Im bisherigen Statut der Linkspartei ist Pluralität verankert,
was sich unter anderem daran zeigt, dass die Arbeitsbedingungen von
Arbeits- und Interessengemeinschaften sowie Plattformen und
politischen Zusammenschlüssen und ihre Teilnahme am
innerparteilichen Willensbildungsprozess strukturell abgesichert
werden. Dieser plurale Charakter darf im Zuge der Parteineubildung
nicht entsorgt werden. Wir werden darum ringen, dass
Arbeitsbedingungen und Rechte von IGs und AGs, aber auch von
politischen Zusammenschlüssen und Plattformen im Statut der
neuen Linken gestärkt werden und innerparteiliche
Pluralität damit gewährleistet bleibt. Für uns ist
auch klar, dass Pluralität nur auf dem Papier nicht ausreicht.
Wir werden darum ringen, dass formale Beteiligungsrechte auch
tatsächlich wahrgenommen werden können.
Zweitens halten wir es für wichtig, dass die Formierung der
neuen Partei als politische Neugründung vollzogen wird, an der
WASG und Linkspartei auf gleicher Augenhöhe beteiligt sind.
Die Leitungsfunktionen auf Bundesebene sollten für eine
längere Übergangsfrist paritätisch durch
Vertreterinnen und Vertreter von Linkspartei und WASG besetzt
werden, wie vom Parteitag der WASG in Ludwigshafen beschlossen.
Zugleich sollen am Parteibildungsprozess und in den
zukünftigen Gremien der neuen Partei auch Menschen mitwirken,
die bislang in keiner der beiden Parteien Mitglied sind.
Drittens müssen wir gemeinsam diskutieren, wie demokratische
Strukturen in einer Partei nicht nur aufgebaut, sondern auch
gesichert werden können. Wir wollen keine
Funktionärspartei, in der die Beschlüsse und Vorgaben an
die Mitgliedschaft weitergereicht werden, sondern eine lebendige
Mitgliederpartei, in denen auf allen Ebenen inhaltliche
Diskussionen stattfinden und Positionen in der Mitgliedschaft
entwickelt werden. Wir setzen uns deshalb unter anderem dafür
ein, dass die materiellen Voraussetzungen geschaffen werden,
Funktionen in Leitungsgremien auch ehrenamtlich wahrnehmen zu
können. Ämterhäufungen gilt es zu vermeiden. Die
Offenlegung von Nebeneinkünften von MandatsträgerInnen
sowie die Transparenz parteiinterner Diskussionen und die
organisatorische Absicherung der Beteiligungsmöglichkeit von
Menschen, die nicht Mitglied der neuen Partei sind, aber als Teil
außerparlamentarischer Bewegung oder Mitglieder befreundeter
Parteien kritisch-solidarisch unsere Arbeit begleiten wollen, sind
für uns selbstverständlich.
Für uns ist außerdem klar, dass die Überwindung der
herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse in einem ersten
Schritt auch die gleichberechtigte Beteiligung von Frauen und
Männern im politischen Prozess voraussetzt. Deshalb sind wir
für eine geschlechterquotierte Besetzung von allen Gremien und
Ämtern und wollen autonome Frauenstrukturen - wie Frauenplena
- ausbauen und stärken.
Diskussionsbeiträge, Texte und Materialien zu diesem
Schwerpunkt: