Auch in der Bundesrepublik öffnet sich die Schere zwischen Oben und Unten zusehends weiter. Die Gewinne der deutschen Konzerne haben sich allein in den vergangenen zwei Jahren mehr als verdoppelt. 21 Milliarden Euro an Dividenden werden die Dax-Unternehmen 2006 ausschütten, mehr als je zuvor. Dazu trägt der steigende Wettbewerbsdruck und ein Heer von über fünf Millionen Arbeitslosen bei. Zugleich werden hart erkämpfte soziale Sicherungen abgebaut. Besonders Frauen werden in Billigjobs oder ganz aus dem Arbeitsmarkt verdrängt, Grund- und Freiheitsrechte werden eingeschränkt und in ökologischen Fragen ist der Rückwärtsgang eingelegt. Der Militärhaushalt dagegen wird auf hohem Niveau gehalten. Massiv wird in die Um- und Aufrüstung der Bundeswehr zur Interventionsarmee investiert. Bundeswehreinsätze im Ausland, mehr als vierzig Jahre tabu, sind bereits unter der rot-grünen Bundesregierung wieder zur Normalität geworden. Über 7000 deutsche Soldaten befinden sich derzeit weltweit im Einsatz, von Sarajewo bis Kabul. Am Irak-Krieg war Deutschland umfangreich und unterstützend beteiligt, im Iran wird heute aktiv mitgezündelt. Engagiert wirkt die Bundesrepublik darauf hin, NATO und EU-Eingreiftruppen aufzubauen. Die deutschen Rüstungsexporte boomen.
Es sind immer die gleichen Lügen, die zur Rechtfertigung neoliberaler Politik herhalten müssen: Wir müssen sparen, behaupten eben jene Politiker, die zur Explosion der Konzerngewinne mit üppigen Steuergeschenken beigetragen haben und Spitzenverdienern und Vermögenden kaum noch mit Samthandschuhen in die gut gefüllten Taschen fassen. Der Sozialstaat ist unbezahlbar geworden, sagen sie, und sehen tatenlos zu, wie große Unternehmen und Banken sozialversicherte Beschäftigung in Zehntausender-Schritten vernichten. Unter dem Vorwand längerer Lebenserwartung wird der Rentenbeginn nach hinten geschoben, obwohl schon ein Fünfzigjähriger auf dem heutigen Arbeitsmarkt kaum eine Chance mehr hat. Von Menschenrechten und dem Kampf gegen den Terror wird geredet, obwohl es in Wahrheit um den Zugang zu Rohstoffen und Energieressourcen geht.
Die herrschende Politik ist nicht Sachzwang-geleitet, sondern Interessen-diktiert. Sie hat Profiteure. Deren Einfluss allerdings begründet sich nicht in Wählerstimmen, sondern in wirtschaftlicher Macht. Es sind die Lobbyverbände des grossen Kapitals, die seit über zwei Jahrzehnten den Umbau der europäischen Gesellschaften in Richtung eines entfesselten Kapitalismus betreiben. Und die noch längst nicht genug haben, wie ihre jüngsten Projekte, etwa die Bolkestein-Richtlinie, zeigen.
Genug von einer solchen Politik und Entwicklung haben allerdings immer mehr Menschen. Der Ausgang der Verfassungsreferenden in Frankreich und den Niederlanden ist dafür ebenso Beleg wie die häufiger werdenden Demonstrationen und Arbeitskämpfe in Europa gegen Lohndumping, gegen die Zerstörung sozialer Leistungen, gegen Privatisierungen. Die neoliberalen Lügen geraten in Konflikt mit elementarer Alltagserfahrung. Auch in Deutschland. Dass Rekordprofite nicht nur keine Arbeitsplätze schaffen, sondern mit weiteren Stellenstreichungen bestens vereinbar sind, haben nicht zuletzt Deutsche Bank und Telekom den Betroffenen ins Bewußtsein gehämmert. Dass selbst Unterwerfung unter die Forderungen der Kapitallobby nach längerer Arbeitszeit bei weniger Einkommen nicht dauerhaft Lohn und Brot sichert, hat Siemens mit dem Verkauf seiner Handysparte demonstriert. Sinkene Reallöhne und ein expandierender Niedriglohnsektor gehen in der Bundesrepublik seit 15 Jahren Hand in Hand mit weiter anschwellender Arbeitslosigkeit. Auch die Konsequenzen rüder Privatisierungspolitik – ob hohe Strompreise bei desolaten Netzen, eskalierende Wassergebühren oder Streckenstilllegungen der Bahn – sind mittlerweile offenkundig. Es sind einfach zu viele Menschen, die in ihrem täglichen Leben zu spüren bekommen, dass die neoliberalen Verheissungen größerer Freiheit und Eigenverantwortung vor allem eines bedeuten: das durch keine Regel mehr gebändigte Faustrecht des Wirtschaftsstärkeren.
Auch die herrschende Politik kann solche Stimmungen nicht mehr völlig ignorieren. Die verlogene Kapitalismus-Kritik der SPD im letzten Bundestagswahlkampf ist dafür ebenso Beleg wie das Gerechtigkeits-Gerede der Grossen Koalition. Vor allem aber sind über 4 Millionen Wählerinnen und Wählern der Linken ein Zeichen, dass auch in diesem Land etwas in Bewegung geraten ist. 4 Millionen Stimmen für ein linkes Projekt, dass zum Zeitpunkt der Wahl noch weit eher Vorhaben als politische Realität gewesen ist, sind allerdings nicht allein Ausdruck von Sympathien, Erwartungen und Hoffnungen, sondern auch ein ungemeiner Vorschuss an Vertrauen, den wir nicht verspielen dürfen.
PDS und WASG kommen aus unterschiedlichen Traditionen. Die PDS wurde in der Zeit der Niederlage des osteuropäischen Sozialismusversuchs geboren. Während die konkrete Bewertung ihrer Vorgeschichte und Vergangenheit umstritten blieb, gehörte Kapitalismuskritik und die Orientierung auf das Ziel einer sozialistischen Gesellschaft zu ihrem Gründungskonsens. Nicht nur eine Partei sozialer Reformen, sondern eine sozialistische Partei zu sein, war und ist ein Kernbestandteil ihrer Identität und dürfte für nicht wenige Mitglieder ein wichtiges Motiv gewesen sein, sich trotz politischer Ausgrenzung, Demütigung und massiver Angriffe, vor allem in den frühen neunziger Jahren, in der PDS zu engagieren. Versuche, sich von dieser programmatischen Ausrichtung, zu der auch ein klares friedenspolitisches Profil gehört, zu verabschieden, hat es gegeben; mehrheitsfähig waren sie nie. Mit den Akzeptanzgewinnen und Wahlerfolgen allerdings, die den Weg in die Landesregierungen von Schwerin und Berlin ebneten, entwickelte sich in der PDS zugleich ein politischer Flügel, der unberührt von programmatischen Festlegungen für eine Realpolitik zu stehen begann, die jener des neoliberalen Parteienkartells zusehends ähnlicher wurde. Privatisierungen, Lohnkürzungen, die Entschädigung reicher Fondsbesitzer aus Steuermitteln bei gleichzeitigen Verschlechterungen für finanziell schlechter gestellte, schmerzhafte Einschnitte bei Bildung und Kultur - vieles, wogegen die PDS auf Bundesebene opponierte, gehörte in einigen Ländern und Kommunen plötzlich zum eigenen politischen Repertoire. Ein jüngstes krasses Beispiel dieser Entwicklung ist die Entscheidung zur Privatisierung zehntausender kommunaler Wohnungen in Dresden. Eine solche Politik hat die PDS nicht nur sehr viel Glaubwürdigkeit und Vertrauen gekostet. Sie führte auch zu einem scharfen Kontrast zwischen sozialistischem Programmanspruch auf der einen Seite und einer von Vertretern der PDS mitverantworteten Realpolitik, die selbst elementaren Anforderungen einer sozialen Reformstrategie nicht gerecht wurde und wird.
Die WASG ist insbesondere aus den Protestbewegungen gegen Schröders Agenda 2010 entstanden. Verankert vor allem in den alten Bundesländern, mit starker gewerkschaftlicher Basis, war und ist sie im Anspruch eher ein sozialstaatlich orientiertes antineoliberales Projekt. Der antineoliberale Gründungskonsens der WASG schloss eines allerdings deutlich ein: Kritik an und Opposition zu jeder Art unsozial ausgerichteter Politik, einschließlich jener von der PDS in Landesregierungen mitgetragenen. Nicht zuletzt dadurch wurde die WASG auch über die Gewerkschaften hinaus ein Anknüpfungs- und Kristallisationspunkt für soziale Bewegungen. Durch ihre Wurzeln in der Anti-Hartz-Protestbewegung gehörte es für viele Mitglieder der WASG zum Gründungskonsens: Außerparlamentarischer Druck und Opposition dürfen neben der parlamentarischen Repräsentanz nicht vernachlässigt werden.
Mit ihrem gemeinsamen Wahlantritt und Wahlerfolg sind PDS und WASG zusammen zu einer politischen Kraft in der Bundesrepublik Deutschland geworden, wie keine der beiden Parteien es allein je sein konnte und kann. Die Chance auf eine starke mobilisierungsfähige Linke mit breiter Basis in Ost und West und realem gesellschaftlichen Einfluss ist heute gegeben. Ob sie eingelöst wird, hängt von der strategisch-inhaltlichen Ausrichtung ab, die die neue linke Partei sich gibt.
Die schlechteste aller denkbaren Varianten, in der Unterschiedlichkeit der Traditionen von WASG und PDS eine gemeinsame Basis zu finden, bestünde in der Kombination eines regierungsorientierten Pragmatismus, entsprechend etwa der dominierenden Strömung der PDS-Berlin, mit dem Verzicht auf programmatischen Antikapitalismus und sozialistisches Ziel, wie von einzelnen Vertretern der WASG gefordert. Klare Antikriegspositionen dürften bei einer solchen Entwicklung ebenfalls auf der Strecke bleiben. Denn wer in Deutschland unter den herrschenden gesellschaftlichen Bedingungen auch bundespolitisch mitregieren will, muss bereit sein, Bundeswehr und NATO in der heutigen Form zu akzeptieren und damit auch Kriegseinsätzen zuzustimmen. Was am Ende einer solchen Entwicklung stünde, wäre eine für die SPD als bundespolitischer Koalitionspartner akzeptable Partei, die sich von der neoliberal gewendeten Sozialdemokratie allerdings auch nicht mehr substantiell unterscheiden würde. Für eine solche Partei gibt es keinen gesellschaftlichen Bedarf. Eine solche Partei wollen wir nicht und brauchen wir nicht. Mit einem derartigen Ausgang des Fusionsprozesses würde das Vorhaben einer starken Linken nicht eingelöst, sondern erledigt.
Welche Aufgaben also hat eine linke Partei in einer Zeit, in der Mehrheiten das Gefühl zu teilen scheinen, dass es so, wie es ist, nicht weitergehen kann? Welche Aufgaben hat sie in einer Zeit, in der in Lateinamerika unter der Losung „Für einen demokratischen Sozialismus“ Wahlen gewonnen und die Diskussion über den Wert öffentlichen Eigentums an Energiequellen und Naturreichtümern wieder offensiv geführt wird, während in Europa der Gedanke an eine antikapitalistische Perspektive erst allmählich wieder Rückhalt findet? Welche Aufgaben hat eine linke Partei in einem Land, dessen Parteien jenseits der Linken nahezu nuancenfrei das wirtschaftshörige Programm des Neoliberalismus vertreten und Umverteilung von unten nach oben im Vergleich zu anderen europäischen Staaten besonders rabiat betreiben? Welche Aufgaben hat sie in einem Land, in dem sich aktive Gegenwehr zu regen beginnt, Ansätze für eine breite Protestbewegung aber noch kaum zu erkennen sind? Kurz: Was kann eine Linke in Deutschland unter den gegebenen Bedingungen in einem überschaubaren Zeitraum leisten, und was muss sie leisten, wenn sie die in sie gesetzten Hoffnungen nicht enttäuschen will?
Wir sehen zwei zentrale Aufgaben. Eine Linke, die
gesellschaftlichen Einfluss nehmen will, muss
mobilisierungsfähig werden. Eine Linke, die Anziehungskraft
und Ausstrahlung gewinnen will, muss dafür sorgen, dass die
Perspektive, für die sie - und nur sie - steht, als
mögliche Antwort auf die Missstände der Welt in der
öffentliche Debatte auch in Deutschland wieder präsent
ist.
Mobilisierungsfähigkeit heißt, nicht nur abwartende
UnterstützerIn sozialer Protestbewegungen zu sein, sondern zu
ihrer eigenständigen AkteurIn werden zu können. Alle
großen linken Parteien des europäischen Auslands haben
in der Vergangenheit über diese Fähigkeit verfügt
und tun dies bis zu einem gewissen Grade noch heute.
Mobilisierungsfähigkeit ist entscheidend dafür, ob eine
linke Partei Forderungen auf parlamentarischer Ebene wenigstens
partiell durchsetzen und sie der herrschenden Politik aufzwingen
kann. Starke parlamentarische Repräsentanz ist hierfür
eine wichtige, aber bei weitem keine hinreichende Bedingung. Selbst
die SPD ist aufgrund ihrer früheren und teilweise bis heute
bestehenden engen Verflechtung mit den deutschen Gewerkschaften
immer mobilisierungsfähig gewesen und hat diesen Einfluss in
den vergangenen 7 Jahren als Macht zur Demobilisierung genutzt. Die
Linkspartei.PDS war und ist zwar in den Vereinen und Verbänden
Ostdeutschlands gut verankert; ihr Rückhalt in den sozialen
Bewegungen und vor allem in den Gewerkschaften war dagegen nie
stark genug, um Protestbewegungen selbst motivieren und prägen
zu können. Die WASG bringt eine gewerkschaftliche Basis
zumindest in einigen der alten Bundesländer mit. Ob es uns
gelingt, diesen Rückhalt deutlich auszubauen und Teil der
sozialen Bewegungen zu werden, wird über die Zukunftschancen
des linken Parteienprojekts wesentlich entscheiden. Daran zu
arbeiten, muss ein Schwerpunkt unserer politischen Tätigkeit
in den nächsten Jahren sein.
Die zweite grundlegende Aufgabe ist es, die gesellschaftliche
Alternative zum Kapitalismus wieder in die öffentliche Debatte
zu bringen. Zumindest längerfristig sind Identität und
Identifizierung einer gesellschaftlichen Linken nur über eine
an die Wurzeln gehende Kapitalismuskritik bzw. die Orientierung auf
eine sozialistische Perspektive möglich. Unverbindliche
antineoliberale Floskeln sind, wenn sie opportun erscheinen, auch
der SPD nicht fremd, wie der letzte Bundestagswahlkampf gezeigt
hat. Was die SPD absehbar nicht mehr machen wird, ist
antineoliberale Politik. Schon deshalb nicht, weil es unter den
Bedingungen des globalisierten Kapitalismus der Gegenwart kein in
sich schlüssiges antineoliberales Politikkonzept mehr gibt,
das in der Ausrichtung nicht zugleich antikapitalistisch wäre.
Antineoliberale Forderungen sind möglich und können im
Falle starker Protestbewegungen in einzelnen Bereichen auch
durchgesetzt werden. Aber 500 global wirtschaftsmächtige
Konzerne und Finanzriesen, die die Weltproduktion an Gütern
und Diensten kontrollieren und aufgrund ihrer Liquidität in
der Lage sind, jede Währung in den Ruin zu treiben, lassen
sich durch einzelstaatliche Gesetze nicht einfach reregulieren.
Konsequenter Antineoliberalismus setzt unter heutigen Bedingungen
voraus, die Frage von Eigentum und Macht zu stellen.
Auch wir wissen: Grundlegende Veränderungen der Wirtschaftsordnung sind unter den gegebenen Kräfteverhältnissen schwer erreichbar. Aber wenn die Linke bewirken kann, dass mehr als nur eine kleine Minderheit über die Möglichkeit einer Gesellschaft jenseits kapitalistischer Kapitalverwertung immerhin nachzudenken beginnt, haben wir einen ersten wichtigen Schritt zur Veränderung von Kräfteverhältnissen getan.
Die Linke sollte sich daher über eine Reihe antineoliberaler Forderungen definieren, die im Heute verankert sind und zugleich die Debatte über das Morgen ermöglichen: die Debatte also über die Voraussetzungen von Kriegspolitik und kapitalistischer Sozialbarbarei und deren Überwindbarkeit, über die kleine Minderheit der ProfiteurInnen, über die Bedingungen von Konzernmacht und Erpressung, über die Vorteile von öffentlichem im Gegensatz zu privatkapitalistischem Eigentum.
Folgende Forderungen wären unserer Ansicht nach in der Lage, eine solche Debatte anzustoßen. Sie könnten zentrale politische Projekte sein, die die neue Linke einbringt und die sie zugleich nutzt, um die Diskussion über gesellschaftliche Perspektiven jenseits des Kapitalismus zu eröffnen:
Die unmittelbare Alltagspolitik der neuen Linken - im Bund, in
den Ländern und in den Kommunen - muss im Zeichen der
glaubwürdigen Identifizierung mit einer an solchen konkreten
Forderungen orientierten Strategie stehen. Nicht
Regierungsfähigkeit im Bund an der Seite der SPD bringt uns
ihrer Realisierung näher, sondern wachsende
Mobilisierungsfähigkeit sowie der Druck einer von uns
mitgeprägten öffentlichen Debatte, die sich nicht mehr
nur auf antineoliberale Forderungen beschränkt. Hier
müssen unsere politischen Prioritäten liegen, wenn die
neue Linke ein Projekt mit Zukunft, Ausstrahlung und
gesellschaftlichem Einfluss werden soll.
Entsteht stattdessen der Eindruck, wir strebten eher nach
vermeintlicher Macht als nach politischen Zielen, beschädigt
das unsere Glaubwürdigkeit und erschwert die angestrebte
Verankerung in sozialen Bewegungen ebenso wie es die
Überzeugungskraft unserer Ziele und Visionen verringert.
Eine glaubwürdige Linke kann sich auch keinen Dauerkonflikt zwischen Landes- oder auch Kommunalpolitik auf der einen und Bundespolitik auf der anderen Seite leisten. Auf Landesebene ist Umverteilung von oben nach unten in grossem Stil kaum erreichbar. Verlässlich können und müssen wir den Menschen allerdings zusagen, was mit der Linken auf keinen Fall zu machen ist. Als absolute Minimalbedingungen einer Regierungsbeteiligung auf Landesebene schlagen wir folgende Punkte vor:
Eine starke authentische Linke hat heute eine realistische
Chance, dieses Land und seine Gesellschaft zu verändern. Sie
hat die Chance, Rückhalt zu gewinnen und Einfluss zu nehmen.
Sie hat die Chance, sich der Abwärtsspirale eines immer
ungenierteren Lohn- und Sozialdumpings entgegenzustellen. Sie hat
die Chance, sozialistische, antikapitalistische und
grundsätzlich oppositionelle Ideen und Ziele wieder in die
gesellschaftliche Debatte zu bringen.
Denn immer mehr Menschen wollen nicht in einem Land leben, das den
Konzernen Höchstprofite beschert, während
Arbeitslosigkeit und Armut weiter wachsen. Sie wollen kein Europa,
in dem die Versorgung der Menschen mit elementaren Gütern wie
Wasser und Energie oder der Zugang zu Bildung fast allein dem
freien Spiel kapitalistischer Marktkräfte überlassen
bleibt. Sie wollen keinen ungehemmten Kapitalismus, sondern eine
Gesellschaft der Solidarität und der sozialen Gerechtigkeit.
Ringen wir um die Akzeptanz dieser Menschen, und ringen wir mit
ihnen gemeinsam um antineoliberale Forderungen und eine
antikapitalistische Perspektive.
