Zu den jüngsten Entwicklungen im Parteibildungsprozess von
Linkspartei und WASG und in der programmatischen Debatte der neuen
Linken erklären Sahra Wagenknecht, Mitglied des
Europäischen Parlaments, Nele Hirsch, Mitglied des
Bundestages, und Tobias Pflüger, Mitglied des
Europäischen Parlaments:
Bei den Kommunalwahlen in Hessen und vielerorts bei den Wahlen zum
Landtag in Baden- Württemberg hat die Linke, nach einem
überwiegend solidarisch von WASG und Linkspartei gemeinsam
geführten Wahlkampf, wichtige Erfolge errungen. Diese
Ergebnisse wurden trotz einer Reihe von Konflikten im
Parteibildungsprozess im Vorfeld erreicht. Insbesondere die
(denkbar knappe) Entscheidung der Berliner WASG, eigenständig
zu den Abgeordnetenhauswahlen im Herbst anzutreten, wurde
öffentlich vielfach als Infragestellung der Erfolgsaussichten
des Projekts einer geeinten Linken gewertet.
Vertreterinnen und Vertreter aus Linkspartei und WASG haben
gemeinsam die programmatischen Thesen „Für eine
antikapitalistische Linke“ erarbeitet, die wir hiermit der
Öffentlichkeit vorstellen. Die Unterzeichnerinnen und
Unterzeichner dieser Thesen möchten, dass die sich heute
bietende Chance für eine starke, in Ost und West akzeptierte,
in Gewerkschaften und sozialen Bewegungen verankerte und damit
gesellschaftlich einflussreiche Linke nicht verspielt wird. Wir
halten die aktuellen Konflikte für überwindbar.
Notwendig dafür ist unseres Erachtens allerdings ein klares
linkes Profil der neuen Partei, das ihre Politik auf allen Ebenen -
in Bund, Ländern und Kommunen - in eindeutiger,
nachvollziehbarer Weise bestimmt. Linke Politik muss deutlich
erkennbar antikapitalistisch und antineoliberal sein. Insbesondere
halten wir folgende Minimalbedingungen für
Regierungsbeteiligungen auf Landesebene für unabdingbar:
- Privatisierungen müssen verhindert werden
- Dem Abbau öffentlicher Beschäftigung darf nicht
zugestimmt werden
- Soziale Ungleichheiten im Bildungssektor müssen aktiv
bekämpft werden
- Kürzungen zu Lasten der Schwachen müssen
ausgeschlossen sein
- Entmilitarisierung und Konversion sind auch auf Landesebene zu
fördern
Wir möchten uns mit den vorliegenden Thesen in die
programmatische Debatte der neuen Linken einbringen. Dabei
konzentrieren wir uns auf die Frage nach einer politischen
Strategie, die eine eindeutige Profilierung der neuen Partei
ermöglicht und in Form konkreter Projekte zugleich
aktionsorientiert ist. Viele programmatische Fragen können und
müssen in einer solidarischen Debatte sicher noch über
längere Zeit weiterdiskutiert und inhaltlich ausgearbeitet
werden. Die Grundentscheidung zugunsten eines klaren
antikapitalistischen Profils allerdings sollte unseres Erachtens am
Beginn des Parteibildungsprozesses stehen. Was wir darunter
verstehen, haben wir zu Papier gebracht.
Wir werden darum ringen, dass ein solches Profil und die genannten
Mindestbedingungen für Koalitionen in einem künftigen
Parteiprogramm verankert werden.
Berlin/Brüssel, den 28. März 2006
Weitere Informationen: www.antikapitalistische-linke.de