Der »Aufruf zur Gründung einer neuen Linken« ist
ein guter Ausgangspunkt für eine langfristig angelegte
Diskussion über die Grundsätze einer starken und
glaubwürdigen politischen Kraft der Linken. Gleich eingangs
hält der Aufruf fest, daß »alle Menschen ein
gemeinsames Schicksal verbindet« und stellt damit die
Aufgaben der Linken in Deutschland in den Rahmen eines weltweiten
Emanzipationsprozesses. Weiterhin kritisiert der Aufruf nicht nur
den Neoliberalismus, sondern auch die herrschende
»barbarische Weltwirtschaftsordnung«, den
»Kapitalismus«, und stellt ihm die Perspektive einer
»demokratisch-sozialistischen Gesellschaft« entgegen.
Er grenzt sich ab von »Systemen bürokratischer
Bevormundung« und wirft die Eigentumsfrage auf:
»Schlüsselbereiche der Wirtschaft und der Gesellschaft
müssen in öffentliche Eigentumsformen überführt
werden und demokratischer Kontrolle unterliegen.«
Die Aufruf betont die Bedeutung der außerparlamentarischen
Bewegungen und zieht eine kritische Bilanz der bisherigen
Übernahme von »Regierungsverantwortung« durch
»sozialistische und sozialdemokratische Parteien«.
Für die Zukunft wirbt er dafür, daß Linke nur
»dann Regierungsverantwortung« übernehmen sollen,
»wenn sie die Lebensverhältnisse der Menschen verbessern
und alternative Entwicklungspfade öffnen kann«.
Im Text ist nicht nur von der Erweiterung von »Mitwirkungs-
und Mitbestimmungsrechten« der Beschäftigten die Rede,
sondern auch von weitergehenden Rechten: Ȇber die
für die Zukunft eines Unternehmens existentiellen
Entscheidungen muß die Belegschaft abstimmen
können.«
Als WASG-nahe Bildungsgemeinschaft werden wir alles uns
Mögliche tun, um – auch in Zusammenarbeit mit der
Rosa-Luxemburg-Stiftung, örtlichen Rosa-Luxemburg-Clubs und
vergleichbaren Vereinigungen der emanzipationsorientierten und
sozialistischen Bildungsarbeit – die von diesem Aufruf
formulierten Vorschläge und aufgeworfenen Probleme von einer
möglichst großen Zahl von Menschen mit verschiedenen
Erfahrungen, Horizonten und politischen Sozialisationen ohne jede
Ausgrenzung diskutieren zu lassen. Aus unserer Sicht gesellt sich
zur kritischen Bilanz der großen Strömungen –
Sozialdemokratie und offizieller Kommunismus
(»Stalinismus«) – auch die kritische Bilanz jener
kleineren Strömungen, die bislang vergeblich versucht hatten,
eine glaubwürdige Alternative aufzubauen. Alle haben etwas
beizutragen, aber alle haben auch etwas von den anderen zu
lernen.
Die Bildungsarbeit kann ein privilegierter Ort für
inhaltliche, auch kontroverse Debatten sein. Denn dabei geht es
nicht um Wahlen und Abstimmungen, wie dies in der unmittelbaren
(partei)politischen Sphäre unvermeidlich ist.
Wir apppellieren daher an alle, die wie wir im »Aufruf zur
Gründung einer neuen Linken« viel Anregendes, aber auch
Kritikwürdiges sehen, sich in den SALZ-Bildungskreisen und in
vergleichbaren Zusammenhängen linker Bildungsarbeit mit langem
Atem an der wichtigsten aller gegenwärtigen Debatten zu
beteiligen – an der Debatte über die Grundlagen und
strategischen Probleme eines »Sozialismus des 21.
Jahrhunderts«.
Weitere Informationen:
www.bildungsgemeinschaft-salz.de.
Quelle:
http://www.jungewelt.de/2006/06-12/006.php