Von Ekkehard Lieberam, Marxistisches Forum Sachsen in und bei
der PDS; Andreas Krämer, Kommunistische Plattform Sachsen der
PDS; Lutz Mahnke, Plattform Internationalismus bei und in der PDS;
Jürgen Vogt, DKP Sachsen; Gerd Hommel, RFB/Kommunistisches
Aktionsbündnis Dresden; WernerRoß; RotfuchsVerein
Chemnitz/Zwickau/Plauen; Eckart Roth, KPD Sachsen. - Anfang
September 2005.
Die Regierung Schröder/Fischer hat den bisher
größten Sozialraub in der Geschichte der Bundesrepublik
durchgesetzt. Sie hat zu verantworten, daß sich Deutschland
mit dem Krieg gegen Jugoslawien erstmals seit 1945 wieder direkt an
einem Angriffskrieg beteiligte. Die auf den 18. September
angesetzte Bundestagswahl wird diese Regierung nicht
überstehen. Einen Politikwechsel wird es dennoch nicht geben.
Mit der absehbaren Ablösung der SPD als führende
Regierungspartei durch die CDU/CSU wird lediglich eine andere
Gruppierung des neoliberalen Parteienkartells die
Staatsgeschäfte in ihrem eigenen Interesse und im Interesse
des Großkapitals erledigen. Es droht eine weitere
Beschleunigung des in den letzten Jahren eingeschlagenen Kurses.
Zugleich aber gibt es Hoffnung. Die Bündelung von
Linkskräften im Wahlkampf findet die Unterstützung von
Millionen Menschen. Wenn die Linkspartei um die 10 Prozent der
Wählerstimmen erhält, wird sie mit einer Fraktion von 60
oder mehr Abgeordneten in den Bundestag einziehen. Von einer
solchen starken Linksfraktion erwarten wir als Sozialisten und
Kommunisten, daß sie konsequente Opposition betreibt, d.h.
den Protesten und Forderungen der Lohnabhängigen und
Arbeitslosen eine im Bundestag und in der Öffentlichkeit
hörbare Stimme verleiht.
Die jüngsten Entwicklungen im linken Spektrum bieten die
Chance, die bisher dominierenden Stimmungen der Resignation und des
Wegduckens zu überwinden. Erfreulich ist die Aufstellung
einiger anerkannter Sozialisten und Kommunisten anderer Parteien in
Wahlkreisen und auf Landeslisten. Wir rufen zur Wahl der
Linkspartei auf, weil wir eine Stärkung demokratischer und
sozialistischer Positionen in den gesellschaftlichen
Auseinandersetzungen wollen. Wir treten für einen Wahlkampf
ein, der an die Stelle eines politischen Schattenboxens um
Scheinalternativen die wirklichen Probleme, die Debatte um die in
den Eigentumsverhältnissen liegenden Ursachen von
Massenarbeitslosigkeit und Kapitalinteressen, von Kriegspolitik und
Imperialismus usw. in den Mittelpunkt stellt. Die Bündelung
aller Linkskräfte ist Voraussetzung, um ein anderes
politisches Kräfteverhältnis zu erkämpfen. Eine
Garantie dafür ist dies nicht.
Wir verschließen unsere Augen nicht davor, daß die
deutsche Parteiengeschichte immer wieder Parteien hervorgebracht
hat, die als Interessenvertretungen des werktätigen Volkes
antraten, um sich über lang oder kurz an die Seite der
Herrschenden zu stellen. Die SPD und die Grünen sind diesen
Weg gegangen. Die PDS hat in Meck-Pom und vor allem in Berlin die
neoliberale Politik mitgemacht, mit verheerenden Folgen für
die Linke. Maßgebliche Politiker der Linken wie Gregor Gysi
und Oskar Lafontaine sagen eine Menge Richtiges gegen den
Neoliberalismus. Zugleich aber erwecken sie den Eindruck, als ob -
wenn nicht morgen dann übermorgen - eine gemeinsame Regierung
mit einer Nach-Schröder-SPD sinnvoll sei. Politik erscheint
als eine Willensfrage, als eine gegenüber den
Klassenverhältnissen autonome Sphäre. Von den
ökonomischen Gesetzen des Kapitalismus ist keine Rede. Die
durch die Schwäche der gesellschaftlichen Gegenkräfte
bedingte gegenwärtige Herrschaftskonstellation einer recht
stabilen neoliberalen Hegemonie des Kapitals bleibt außerhalb
des Blickfeldes.
Allzu leicht können so auch nach der Wahl politische
Illusionen zum Brückenkopf für einen Kurswechsel der
Linksparteifraktion in Richtung Anpassung werden. Nicht blinde
Zustimmung, sondern kritische Solidarität und Druck von unten
werden gefragt sein. Die Durchsetzung vorgeschlagener
Reformprojekte wie auch die Herausbildung einer
zeitgemäßen Linkspartei wird im übrigen
entscheidend von einem Aufschwung des außerparlamentarischen
Kampfes hin zu einer neuen APO abhängen, davon, ob sich in den
Betrieben, Einrichtungen und in der Gesellschaft politische,
organisatorische und geistig-kulturelle Gegenmacht entwickelt. In
dem Maße wie die Linksfraktion im 16. Bundestag sich darauf
stützt und dafür erfolgreich mobilisiert, wird sie
Einfluß auf politische Entscheidungen nehmen
können.