Auf meine Nachfrage erklärte Reinhard Bütikofer, der sich intensiv mit der US-Politik auseinandersetzt: "Aber es ist auch so: das klang wie eine Anklage, für die es kein Gericht gibt. Starkschwach." Selbstredend ist der Senat kein Gericht, aber in diesem Fall wussten weite Teile der Senatorenschaft – ob Demokraten oder Republikaner – durchaus, wer gemeint ist und, dass ihre Holzbänke, auf denen sie gemeinhin lediglich zu sitzen pflegen, zur Anklagebank umfunktioniert wurde. Und sicher ist der US-Senat nicht die Lösung des Problems, sondern seine Zusammensetzung eher ein Teil desselben. Insofern verdient jeder, der sich dem Mainstream in diesem System widersetzt, dagegen schwimmt und für Gegenöffentlichkeit kämpft, Aufmerksamkeit und Unterstützung. Man erinnert sich: Es war am Anfang auch nur eine einzige Abgeordnete im Repräsentantenhaus, nämlich Barbara Lee von den Demokraten aus Kalifornien, die nicht ihren Arm für George W. Bushs schmutzigen Krieg im Irak hob: Sie nahm George W. Bush die Lüge von irakischen Massenvernichtungsmitteln nicht ab und behielt recht, während 434 Abgeordnete, die es besser wissen hätten können, aber nicht wollten oder durften, den Lügen der Regierung und den gleichgeschalteten Medien auf den Leim gingen. Und es war zunächst auch nur ein Abgeordneter im Reichstag, der die Hand gegen den Völkermord im I. Weltkrieg in die Höhe reckte - Karl Liebknecht.
Bloß: Mut ist unter Politikern eine überaus seltene Tugend.
Ein Transkript der Rede findet sich auf der Webseite von Bernie Sanders.
